Lauf gegen Rassismus

Liebe Organisatorinnen und Organisatoren,
Liebe Läuferinnen und Läufer,
Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer

Es ist mir eine grosse Freude, heute hier am Lauf gegen Rassismus sprechen zu können. So viele Menschen zu sehen, die sich aktiv gegen Rassismus einsetzen – das freut! Ganz ehrlich, das beruhigt sogar. Denn es ist so wichtig, auf diskriminierende Strukturen aufmerksam zu machen. Immer und immer wieder. Ja, zu zeigen, dass es Rassismus bei uns gibt: Sei es Alltagsrassimus, oder strukturelle Diskrimierung, die sich in verschiedenen Bereichen zeigt. Z.B. in der fehlenden Diversität bei wichtigen Positionen. Dieser Kampf ist langwierig und voller Hürden. Das Wetter heute steht sinnbildlich dafür. Das macht den Kampf jedoch umso wichtiger. 

Eine wahrhaftige und liberale Demokratie sollte sich stets hinterfragen und sich laufend verbessern. Dieser Lauf ist ein wichtiges Zeichen in diese Richtung.  

In gewissen Bereichen gelingt es dann auch Verbesserungen zu erlangen. In anderen Bereichen haben wir in den letzten Jahrzehnten jedoch leider Rückschritte gemacht. Ich spreche hier von der Schweizer Einbürgerungspolitik:  Ein Viertel der Bevölkerung ist nämlich von unserer Demokratie ausgeschlossen und nicht nur von der Demokratie, sondern auch von der Aufenthaltssicherheit und Gleichberechtigung. Das ist ein Skandal. Und, was viele nicht wissen, es war nicht schon immer so. 

Während vor hundert Jahren die Einbürgerung hier in der Schweiz als Anfang des Integrationsprozesses galt, so soll sie heute der Schluss sein, quasi eine Belohnung für gutes Benehmen. Als würde es sich bei Personen ohne Schweizer Pass alles um Kinder handeln, denen man das Stimmrecht nicht zutraut. 

Man glaubt es kaum, während man in der Schweiz vor 100 Jahren nach 2 bis 5 Jahren mit einer Einbürgerung rechnen konnten, so sind es heute mindestens 10 Jahre – für Geflüchtete und vorläufig Aufgenommene in der Regel viel mehr. 

Diese und noch weitere Verschärfungen wurden erst in den letzten Jahrzehnten und teilweise ohne grosse politische Diskussion oder medialen Aufschrei eingeführt. 

Sie haben leider dazu geführt, dass die Einbürgerungszahlen in den letzten Jahren sichtbar gesunken sind. Schon länger hat die Schweiz eines der härtesten Einbürgerungsrechte der Welt und wohl die härtesten Bedingungen von Europa. Der hohe Ausländeranteil ist also hausgemacht. Dies ist für ein Land das sich seiner Demokratie rühmt eine Schande. 

Fast ein Viertel der Bevölkerung wird ausgeschlossen. Stolze 38% der Bevölkerung haben einen Migrationshintergrund. Über 12% haben jemanden in der Familie welche:r einen Migrationsvordergund hat. 

Das macht zusammen über 50% unserer Gesellschaft. Die Gesetzesverschärfungen und unser Bürgerrecht laufen also diametral zur Bevölkerungsrealität. 

Man könnte fast sagen unser Bürgerrecht ist schlecht in der Schweizer Gesellschaft integriert. Aus diesem Grund haben wir den Verein Aktion Vierviertel ins Leben gerufen. 

Was ist dieser Verein? 

Der Verein setzt sich zum Ziel der Schweiz von der Dreiviertel- in die Vierviertel Demokratie zu verhelfen. In unserem Manifest für ein Grundrecht auf Einbürgerung fordern wir, als breit abgestützte zivilgesellschaftliche Bewegung einen Paradigmenwechsel im Bürgerrecht. 

Konkret bedeutet das: Jede Person, die seit vier Jahren in der Schweiz lebt, soll unabhängig vom Aufenthaltsstatus ein Recht auf Einbürgerung haben. Kinder, deren Eltern bei der Geburt ihren Wohnsitz in der Schweiz haben, sollen zudem automatisch das Schweizer Bürgerrecht erhalten.

Damit machen wir Schluss mit der ausgrenzenden Praxis des aktuellen Bürgerrechtsverfahrens, welche auf gezielte Selektion ausgerichtet ist und der Willkür Tür und Tor offen lässt. Das sehen wir in vielen Beispielen wo Menschen abgelehnt werden, weil nicht alle Beizen aufzählen können oder mit Trainerhosen durch die Stadt laufen um nur zwei von vielen tausenden von Beispielen aufzuzählen. 

Dabei ist uns auch klar, dass die Einbürgerung und der Schweizer Pass kein Garant gegen Rassismus sind. Leider sind auch Schweizer Bürger:innen mit Migrationshinter- oder Vordergrund immer wieder Rassismus ausgesetzt. Ich weiss selbst wovon ich spreche. Wir sehen unseren Kampf um ein faires Bürgerrecht jedoch als wichtige und noch fehlende Ergänzung im Kampf gegen Rassismus, Ausgrenzung und Diskriminierung. Entsprechend sind wir froh um Koalitionen mit Allen Bewegungen und Organisationen die sich dem widmen, so auch dem Lauf gegen Rassismus und all den Menschen, die hier jeweils mitmachen. 

Denn etwas ist klar: Teilhabe, Gleichberechtigung und Demokratie sollten keine Privilegien sein, es sind Rechte! Unterstützt uns deshalb dabei, eine grosse Bewegung ins Leben zu rufen, welche endlich Fortschritte in der Schweiz erzielt. Schaut auf unsere Webseite: www.aktionvierviertel.ch Unterschreibt unser Manifest und werdet Mitglied. Machen wir Schluss mit der dreiviertel Demokratie und führen in der Schweiz eine wahrhaftige vollständige Demokratie ein.

Wir haben noch viel vor und hoffen auf euch zählen zu können. 

Vielen Dank und allen gute Erholung nach eurem intensiven Lauf gegen Rassismus!